Volvo 244 DLS
Die einzige Chance, zu DDR-Zeiten als reiner Privatmann einen Volvo zu ergattern, bestand 1977 / 78, als rund 1.000 Volvo 244 "DLS" eingefürt wurden. Die meisten gingen aber wie immer an "verdiente' Bürger, Kunstler und erfolgreiche Gewerbetreibende, die richtig Geld hatten. Hatte man als Privatie aber so ca. 50.000,- Ostmark beiseite gelegt, waren die Chancen nicht gerade schecht, einen dieser 240er zu ergattern. Jedoch was war die Ostmark denn wert, was verstand man denn unter einem "Westauto“?
Besonderheit: DDR-Ausführung mit 6-Zylinder Front und 4-Zylinder Heck, wobei der Schriftzug DL“S“onderausstattung, DDR symbolisierte!
Baujahr: 12/1977
Motor : 2100ccm
Der Volvo 244 DLS und die DDR
Der Volvo 244 DLS rollte ab 1977 über den holprigen Asphalt der Deutschen Demokratischen Republik. Nach Recherchen wurden ungefähr 1000 Stück aus Schweden in die DDR importiert. Die Bezahlung durch die DDR erfolgte angeblich über einen Handelstausch. So kamen die Schweden im Gegenzug in den Genuss von ostdeutschem Bier.
Voraussetzung für den Erwerb eines Volvos war der Besitz einer mindestens ein Jahr alten Anmeldung für irgendeine im Ostblock hergestellte Automarke. Mit diesem wertvollen Dokument durfte man sich im Autohaus „Unter den Linden“ in Berlin für den Kauf des Volvos anmelden. Die Dauer dieses einmaligen Angebotes der DDR betrug lediglich einen Monat ! Nur ungefähr einen Monat später und rund 42600,- Ostmark ärmer war man dann stolzer Besitzer eines nagelneuen Volvos 244 DLS. Allerdings war diese Möglichkeit ausschließlich den Ostberlinern vorbehalten. Und auch nur jenen, den über verschiedenste Wege dieses Angebot zu Ohren gekommen war und die rechtzeitig Ihr Kaufinteresse im Autohaus angemeldet hatten. In den Medien war davon nichts zu lesen, zu hören oder zu sehen. Alle anderen Ostberliner und der Rest der Republik vertrauten weiter auf Trabant, Wartburg, Skoda & Co.
Übrigens mussten Volvoliebhaber im westlichen Ausland mit dem Volvo 244 DL Vorlieb nehmen. Die Sonderanfertigung (244 DLS) blieb den DDR-Bürgern vorbehalten.
Der Hingucker auf ostdeutschen Straßen konnte in verschiedenen Ausführungen erworben werden. Man hatte die Qual der Wahl zwischen fünf verschiedenen Außenlackierungen mit entsprechend dazugehöriger Innenausstattung.
|
Außenlacke |
Innenausstattung |
|
weiß |
rot |
|
blau |
blau |
|
gelb |
braun |
|
weinrot |
rot |
|
grün |
braun |
Technisch konnte der Volvo 244 DLS mit folgenden Highlights aufwarten:
Motor (B21) 2100 ccm
Leistung 100 PS
Getriebe 4 Gang Schaltgetriebe M45
Scheinwerfer 2 Reflektoren mit je einer H1 Glühlampe in einem Scheinwerfergehäuse
Lenkung Zahnstangenlenkung ohne Servounterstützung
Woher stammt die Bezeichnung 2 4 4 D L S?
Die „2“ steht für die Baureihe 200
Die erste „4“ steht für die Anzahl der Motorzylinder
Die zweite „4“ steht für die Anzahl der Türen
Wofür die Buchstaben „D“ und „L“ stehen, ist mir leider nicht bekannt (De luxe ?)
Das „S“ steht für Sondervariante (für die DDR)
Sollte dem geliebten Familienmitglied mit vier Rädern trotz westlichen Technikstandards dann doch mal etwas fehlen, musste die IFA-Werkstatt im Bruno-Bürgel-Weg in Berlin-Spindlersfeld aufgesucht werden.
Im Volksmund wurden Volvobesitzer als Millionäre betitelt. Grund dafür war einhergehend mit dem hohen Kaufpreis, die mit dem Erwerb eines jeden Volvos vergebende Zulassungsbezeichnung auf dem Nummernschild IBM – I(ch) B(in) M(illionär). IBM wurde verbunden mit einer Zahlenkombination, so z.B. IBM 3-62. Das „I“ war die Zulassung für alle Berliner Fahrzeuge. Uns wurde erzählt, dass die verwendete Zahlenkombination des Nummernschildes der tatsächlichen Zulassungszahl für alle Volvo 244 DLS entsprach (in dem Falle symbolisiert die 3-62 den 362. Volvo 244 DLS).
Viele Prominente der DDR fuhren diesen Wagen wie die“BILD-Zeitung“im April 2007 berichtete, z.B. Puhdys Dieter Birr, Achim Menzel, O.F. Weidling, Kurt Masur.




